Frachtführer oder Spedition für internationale Importe auswählen

Wenn Sie einen Frachtführer oder eine Spedition für Importe aus Südeuropa auswählen, prüfen Sie vier Dinge: ob das Unternehmen nachweislich existiert und eine Lizenz für internationale Transporte oder Speditionsleistungen hat, ob eine gültige Haftpflichtversicherung besteht, ob es klar und rechtzeitig kommuniziert und ob es Ihnen sagen kann, wo die Ware gerade ist. Die meisten Probleme entstehen bei Angeboten, die deutlich billiger sind als alle anderen und hinter denen keine auffindbare Firma steht.

Frachtführer oder Spedition – wo liegt der Unterschied?

Ein Frachtführer besitzt oder betreibt Lastwagen und fährt die Ware selbst. Eine Spedition organisiert den Transport: Sie sucht das passende Fahrzeug, vereinbart die Verladung, überwacht den Ablauf und kümmert sich um die Papiere. Große Stammimporteure verhandeln oft direkt mit Frachtführern. Wer nur gelegentlich importiert, spart mit einer Spedition meist Zeit, weil er den Markt nicht kennen und nicht für jede Sendung neu suchen muss. Wir sind Spedition – eigene LKW haben wir nicht, das Fahrzeug stellen wir über Vertragsfrachtführer.

Checkliste: was Sie vor der Beauftragung prüfen sollten

  1. Das Unternehmen existiert. Suchen Sie es im Handels- oder Gewerberegister seines Landes. Die USt-IdNr. eines ausländischen Unternehmens prüfen Sie im VIES-System der Europäischen Kommission.
  2. Es hat eine Lizenz. Für den internationalen Güterkraftverkehr braucht ein Frachtführer eine EU-Gemeinschaftslizenz; seit Mai 2022 gilt das auch für Transporter über 2,5 t. Eine Spedition braucht die entsprechende Gewerbeberechtigung ihres Landes.
  3. Es ist versichert. Lassen Sie sich die Bestätigung der Frachtführer- oder Speditionshaftpflichtversicherung zeigen. Achten Sie auf Deckungssumme, Laufzeit und Ausschlüsse – oft betreffen sie Diebstahl von unbewachten Parkplätzen oder bestimmte Warenarten.
  4. Das Angebot ist schriftlich. Preis, Strecke, Lade- und Entladetermin, Fahrzeugtyp und Zahlungsbedingungen gehören in eine E-Mail oder einen Auftrag, nicht nur ins Telefonat.
  5. Sie haben einen festen Ansprechpartner. Name und Telefonnummer des Disponenten und eine Sprache, in der er sich mit Ihnen und mit dem Lieferanten verständigt.
  6. Sie wissen, wie Sie den Status erfahren. Meldet der Frachtführer Verladung und Ankunft von sich aus, oder müssen Sie anrufen?
  7. Die Zahlungsbedingungen sind üblich. Normal ist eine Rechnung mit Zahlungsziel nach Zustellung und Übergabe des unterschriebenen CMR.

Was Sie vor der Beauftragung fragen sollten

Frachtführer oder Spedition für internationale Importe auswählen
  • Fährt die Ware mit Ihrem Fahrzeug, oder geben Sie den Auftrag an einen anderen Frachtführer weiter? Wer haftet dann?
  • Wann bekomme ich Kennzeichen und Namen des Fahrers?
  • Wer informiert mich, wenn sich Be- oder Entladung verzögern?
  • Welche Deckungssumme hat Ihre Versicherung, und was ist ausgeschlossen?
  • Wann und wie erhalte ich den unterschriebenen CMR-Frachtbrief?
  • Was passiert, wenn das Fahrzeug am vereinbarten Tag nicht kommt?

Ein seriöser Frachtführer oder Spediteur beantwortet diese Fragen ohne Ausflüchte. Lautet die Antwort „mal sehen“, ist auch das eine Information.

Warnzeichen

SignalWarum es ein Risiko ist
Preis deutlich unter allen anderen AngebotenDer Auftrag wird oft weiterverkauft, oder es handelt sich um Betrug. Die Differenz zeigt sich meist an anderer Stelle.
Vorkasse oder geänderte Bankverbindung per E-MailTypisches Betrugsmuster. Eine Kontoänderung immer telefonisch unter einer bekannten Nummer prüfen.
Nur Handynummer und Freemail-Adresse, keine AnschriftDas Unternehmen ist nicht auffindbar, Ansprüche lassen sich nicht durchsetzen.
Fahrzeugdaten kommen erst im letzten Moment oder passen nicht zum AuftragGefahr eines „Phantomfrachtführers“, der die Ware lädt und woandershin bringt.
Weigert sich, die Versicherung nachzuweisenIm Schadensfall fehlt womöglich das Geld für den Ersatz.
Kennt die Gepflogenheiten der Strecke nichtMittagspausen spanischer Lager oder Wochenendfahrverbote in Frankreich, Deutschland und Italien führen zu Verzögerungen.

Warum Sie nicht nur nach dem Preis entscheiden sollten

Frachtführer für Importe auswählen
Frachtführer für Importe auswählen

Bei Importen aus Südeuropa kommt es vor allem auf eine zuverlässige Abholung an. Kommt das Fahrzeug nicht, gibt der Lieferant die Ware nicht heraus, das Lager in Spanien schließt am Freitagnachmittag, und Sie warten bis zur nächsten Woche. Das billigste Angebot wird dann durch verlorene Tage teuer. Was den Preis beeinflusst, erklären wir im Beitrag was den Frachtpreis bestimmt, wie die Ware im Schadensfall geschützt ist, unter CMR-Haftung und Warenversicherung.

Wenn Sie den Frachtführer nicht selbst suchen und prüfen möchten, senden Sie Ihre Anfrage über den Preisrechner – wir stellen das Fahrzeug bei einem Frachtführer, den wir kennen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Frachtführer und Spedition?
Der Frachtführer fährt die Ware mit eigenen Fahrzeugen. Die Spedition organisiert den Transport, wählt den Frachtführer und überwacht Ablauf und Papiere.
Wie prüfe ich, ob ein Frachtführer wirklich existiert?
Suchen Sie ihn im Handelsregister seines Landes und prüfen Sie die USt-IdNr. im VIES-System. Rufen Sie die Festnetznummer aus dem Register oder von der Firmenwebsite an.
Was ist eine EU-Gemeinschaftslizenz?
Die Berechtigung für den grenzüberschreitenden gewerblichen Güterkraftverkehr in der EU. Seit Mai 2022 brauchen sie auch Unternehmen, die mit Transportern über 2,5 t international fahren.
Warum ist ein auffällig billiges Angebot riskant?
Dahinter stecken oft Weiterverkauf des Auftrags, Sparen an der Zuverlässigkeit oder Betrug. Prüfen Sie Firma und Versicherung, bevor Sie die Ladeadresse herausgeben.
Wann wird der Transport bezahlt?
Üblich ist eine Rechnung mit Zahlungsziel nach Zustellung und Übergabe des unterschriebenen CMR-Frachtbriefs. Vorkasse an ein unbekanntes Unternehmen ist ein Risiko.